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Was macht ein Landarzt bzw. eine Landärztin?

von Johannes Fleischhut am 06.05.2021 in Allgemein

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Was macht ein Landarzt: Doofe Frage?! Sie, bzw. er behandelt natürlich Menschen (auf dem Land) … aber es steckt doch so viel mehr dahinter und so soll diese Frage nicht nur auf einer solch abstrakten Ebene beantwortet werden. Landärzte sind Multitalente, legen Wert auf die Work-Life-Balance, sind Unternehmer, Mediziner im fachlichen Sinne und Ärzte im fürsorglichen Sinne in einem. Klingt spannend? Na, dann lasst uns mal etwas tiefer gucken!

Zunächst mal, ich weiß: auch andere Fachärzte sind Landärzte und die kommen immer zu kurz beim Thema Landarzt. Aber ich muss diesem Blogbeitrag einen Rahmen geben und daher werde ich mich heute auf den typischen „Landarzt“ fokussieren, dem Allgemeinmediziner als erste:r Ansprechpartner:in der Bevölkerung.

Offenbar gibt es unter jüngeren Medizinern primär zwei extreme Meinungsbilder: die einen denken, Landärzte füllen den ganzen Tag Scheine aus und überweisen alle Patienten an Fachärzte weiter. Klingt super langweilig und ist natürlich wenig erstrebenswert. Das andere Extrem: Landärzt:in zu sein sei viel zu schwer, da man ja alles wissen muss, weil das Spektrum so breit ist. Klingt ebenfalls wenig verlockend. Beide Meinungen führen schlechterdings dazu, sich nicht weiter mit dem Berufsziel Landarzt (oder besser: Hausarzt) zu befassen. Das ist doof, denn sobald man mal hinter die Fassade aus Vorurteilen schaut, ist sicher jedem schnell klar, dass beide Varianten wenig der Wahrheit entsprechen, sondern diese wie immer in der Mitte liegt. Und die kann dann doch wieder sehr spannend sein!

„So was müssen sie selbst als Hausarzt im Hunsrück wissen.“

So lange Sätze wie diese in deutschen Medizinvorlesungen fallen, bleibt es ein zäher Weg, vom guten und auch fachlich ansprechenden Leben als Landarzt zu überzeugen. Das ist aufs höchste Maß unerfreulich und wir können nur hoffen, dass derart überhebliche Meinungsäußerungen künftig eher zur Randerscheinung werden.

Was macht sie denn besonders, die Landärzte? Sie sind DIE Consultants der Bevölkerung bei allen kleinen und großen Problemen. Das weiß auch unser Bundesgesundheitsministerium und hat ein paar sehr kurz-knackige Videos dazu veröffentlicht. Landärzte verfügen allein schon deshalb über ein breit gefächertes Wissen, weil die Bandbreite der Behandlungen enorm ist. Nehmen wir mal zum Vergleich einen hochspezialisierten Kardiologen: der macht tagein tagaus nahezu ausschließlich Ablationen, sicher in höchster Perfektion. Landärzte bekommen alles auf den Tisch: vom Wehwehchen am Fuß über chronischen Husten bis zum Herzinfarkt. Jeder muss selbst entscheiden, was ihm/ihr im Leben wichtiger ist. Ich bin sicher, für beide Wege werden sich Menschen begeistern können.

Nach den eigenen Regeln leben!

Landärzte sind nicht nur Ärzte, sie sind vor allem auch Unternehmer! Das muss niemanden verängstigen: Unternehmer zu sein ist kein Hexenwerk. Das kriegen Menschen mit ganz anderem Bildungsgrad auch gut hin. Im Gegenzug legen sie eigene Regeln für den Alltag in der Praxis fest: Öffnungszeiten, Auswahl der Angestellten, Ausstattung, Arbeitsklima, einfach alles kann geformt werden!

Landärzte haben in der Regel eine bessere Work-Life-Balance als Kliniker. Alptraumartige Erzählungen von 24/7 Bereitschaften sind längst überholt und passen nicht mehr in das heutige Bild von Landärzten. Landärzte ziehen das etwas entspanntere Landleben dem Großstadttrubel vor.

Man könnte es so zusammenfassen: Im Kleinen Großes bewirken: das machen Landärzte.

Was macht einen guten Landarzt aus?

Landärzte haben Spaß an den vielen verschiedenen Charakteren und Krankheitsbildern ihrer Patienten und an einer meist ungezwungen-ländlichen Atmosphäre. Sie sind Generalisten. Das muss man mögen und nicht jeder eignet sich dafür. Vielleicht bist aber gerade Du genau der/die Richtige für diesen Job! Ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich sage, dass die eigenen Fähigkeiten manchmal komplett von der „Norm“ oder dem „Erwarteten“ abweichen. Überall heißt es, man muss sich spezialisieren, um erfolgreich zu sein. Man müsse dies oder das tun, damit hätte man später ein gutes Ansehen. Aber viel wichtiger ist doch: Wenn man glücklich ist und sich selbst schätzen kann, dann tun es andere von ganz allein auch! Wer das für sich sagen kann, wird sicher ein:e gut:e Landärzt:in.

Wer auf emotionaler Ebene keinen Zugang zu Patienten findet, hat es als Landärzt:in schwer. Nicht selten baut man Beziehungen zur ganzen Familie über Generationen auf und weiß, wer welche Probleme mit sich bringt – auch das muss man mögen. Das hilft aber auch im Beruf, weil man die Patienten häufig viel besser einschätzen kann.

Was macht ein Landarzt anders als ein „Stadtarzt“

In der Regel haben Landärzte ein größeres Einzugsgebiet und mehr Patienten, schnell auch mal 1400-1500 im Patientenstamm. Ideal sind 750 pro Monat. Außerdem behandeln Landärzte häufig mehr Krankheiten selbst, da auch die Facharztdichte auf dem Land weniger hoch ist als in der Stadt. Das Vorurteil des „Schein-ausfüllenden Langweilers“ ist also ziemlich haltlos.

In der Region wird man bekannt, ob man will oder nicht. Landärzte stehen in der Gunst der Leute häufig auf einer Ebene mit Bürgermeistern oder Pfarrern.

Hausbesuche gehören zum festen Tagesgeschäft, da es häufig ältere Patienten gibt, die regelmäßig gesehen werden müssen. Gleichzeitig – ein nicht wegzudiskutierendes Problem – ist die Mobilität auf dem Land häufig noch eingeschränkt. Es gibt aber auch in ländlichen Bereichen immer mehr Konzepte, die die individuelle Mobilität fördern. In den nächsten 10-20 Jahren wird hier sicher viel passieren.

„Als Arzt auf dem Land verdient man gut und hat ein gutes Leben.“

Als Landärzt:in verdient man im Schnitt genauso viel wie als Hausärzt:in in der Stadt – bei deutlich niedrigeren Kosten. Eine Altbauvilla für 300.000 €?? Kein Problem auf dem Land. In Berlin bekommt man dafür kuschelige 60qm im fünften Stock im Wedding oder in Reinickendorf…

Wer das Leben auf dem Land und das Leben als Landärzt:in einmal kennengelernt hat, bleibt häufig. Mit dieser optimistischen Aussicht lasse ich Euch nun Eure eigenen Schlüsse ziehen.

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