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Ode an das Landleben

von Tobias Fleischhut am 20.01.2021 in Allgemein

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Nachdem letzte Woche von meinem Bruder die Motivation hinter dem Projekt beschrieben wurde, möchte ich heute einen Schritt weiter gehen. Ich habe mich gefragt, was motiviert mich dazu, auf dem Land zu leben? Wir alle drei sind auf dem Land groß geworden und kennen das Landleben. Als nach dem Abitur viele meiner Schulkameraden die große weite Welt suchten oder sich zum Studieren in ganz Deutschland niedergelassen haben, bin ich nur etwa 50 km weiter in die nächstgrößere Stadt gezogen. Für mich war schon damals klar, dass ich lieber früher als später wieder zurück auf das Land möchte. Jetzt bin ich seit vier Monaten der Liebe wegen in den Werra-Meißner Kreis nach Eschwege gezogen.

Landleben heißt: Ruhe

Landleben heißt für mich in erster Linie: Ruhe. Das Fenster aufmachen und nicht einem andauernden Rauschen durch eine vierspurige Straße mit Straßenbahn ausgesetzt zu sein. Landleben heißt deutlich weniger Anonymität in der Nachbarschaft. Wie oft ist mir in meiner alten Wohnung im Treppenhaus jemand begegnet und ich kam nicht umhin mich zu fragen: „Ist der nur zu Besuch oder ist das ein Nachbar?“. Hier wohnen die Nachbarn in der Regel schon länger in ihrem Eigentum oder eben zur Miete. Man kennt sich halt. Landleben heißt unter Umständen auch die Nähe zur Familie.

Landleben heißt aber auch, nicht innerhalb von 20-30 Minuten die Sushi-Bestellung auf dem Tisch zu haben oder die Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu planen, weil nicht „sowieso in den nächsten 15 Minuten eine Bahn oder ein Bus kommt“. Sonntags gibt es nicht noch irgendwo einen Laden, der überteuert vergessene Lebensmittel verkauft. Klar hatten ich eine schöne Zeit und viele Freunde und Bekannte in Kassel. Die meisten sind aber nach dem Studium oder nach der Ausbildung in andere Städte oder wieder in die Heimat auf das Land gezogen. Geblieben sind sehr enge Freunde, die ich nach Corona auch sehr gerne wieder regelmäßig besuchen werde.

Das Landleben ist ein gutes Leben

Was ich sehr schnell gemerkt habe, ist, dass die Lebenshaltungskosten auf dem Land deutlich niedriger sind als in der Stadt. Betrachtet man die kurz-/mittelfristige Zukunft kann man hier Häuser kaufen, wofür man in Berlin und selbst in Kassel maximal eine unrenovierte 60 qm Wohnung bekommt.

Landleben heißt aber auch geben! Wer schnell Menschen kennenlernen will, sollte aktiv ins Vereinsleben einsteigen. Für mich heißt das mit dem hiesigen Posaunenchor hier und da in Gottesdiensten oder für coronabedingt eingeführte Ständchen vor Seniorenheimen am Freitagabend oder am ersten Weihnachtsfeiertag Zeit zu geben. Darüber hinaus heißt Vereinsleben für mich als Ordner den zugereisten Fans beim ersten und bisher einzigen Heimspiel der Handballer des Eschweger TSV die coronabedingten Einschränkungen zu kommunizieren. Zusätzlich danach dann als zweiter Torwart der zweiten Mannschaft auf der Bank zu sitzen und das Team anzufeuern.

Für mich und für uns als Initiative war es selbstverständlich, dass wir einen Satz Torwarttrikots für das Team gesponsored haben!

Ich möchte keineswegs für alle sprechen und glaube auch, dass sich sehr viele Personen dauerhaft und für immer in der Stadt sehr wohl fühlen. Ich kann für mich sagen, dass ich mich nach den vier Monaten, in denen ich hier lebe, mehr zu Hause fühle, als ich es jemals in der Stadt vorher getan habe.

#schönhier

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